
Katarakt und Sonderlinsen
Die Kataraktoperation ist die häufigste Operation am Menschen überhaupt-
Allein daran lässt sich schon erkennen, wie ubiquitär die zugrundeliegende Erkrankung des Grauen Stars, die Katarakt, im Menschen vorkommt und wie sicher und gut die operativen Behandlung ist.
Aber die Operation des Grauen Stars gehört aber nicht nur zu den erfolgreichsten und delikatesten Operationen in der Medizin - Sondern auch zu den ältesten: Vom Starstecher der Antike bis hin zum heutigen Refraktivem Kataraktchirurgen ist sie einen langen, weit über tausendjährigen Weg gegangen, der, wie jeder natürliche Weg, nicht immer schnurgerade sein konnte:
Eine getrübte Linse schlicht nach hinten in den Glaskörper zu drücken wird heute als Komplikation und nicht mehr als geeignete Therapie angesehen. Mit dem Graefe-Messer das halbe Auge am Rand der Hornhaut aufzuschneiden würde heute genauso wenig als zeitgemäß angesehen werden (Stichwort: Kleinschnitt-Technik, Tunnel-Schnitt) wie auch das Tragen einer Starbrille postoperativ oder die Haltestruktur der alten Linse nach Büchsenöffner-Manier zu öffnen (auch wenn letztere eine futuristische Renaissance durch die Femtolasertechnik erleben sollte, die aber ähnliche Probleme mit sich brachte und bringt…).
Es gab aber auch Entwicklungen, die sich als bahnbrechend und nachhaltig erwiesen wie beispielsweise die Hinterkammerlinsenimplantation oder die Phakoemulsifikation. Diese wurden folgerichtig zum Goldstandard und werden daher aktuell von uns für Sie angewandt.
Auch auf dem Gebiet der Kunstlinsenimplantate lassen sich heute spektakuläre Ergebnisse erzeugen, besonders was die Qualität des Sehens und Unabhängigkeit von Brille und Sehhilfen anbelangt: Wir sehen es als großes Privileg an uns mit Ihnen täglich darüber freuen zu dürfen-
Vereinbaren Sie daher gerne einen Termin in unserer Kataraktsprechstunde und lassen Sie Sich von Dr. Sauer individuell und persönlich beraten.
Die Panorama-Reportage: "Dreiste Abzocke bei Augenärzten"
Von Patienten darauf angesprochen habe ich mir diesen Beitrag angesehen, hier meine persönliche Einschätzung dazu:
Asphärischen Intraokularlinsen (IOLs) sollten unterschieden werden in sphärische Aberration- (der Hornhaut übrigens) korrigierende IOLs und solchen, die lediglich selbst keine sphärische Aberration erzeugen.
Der Gedanke dahinter ist, dass die menschliche Hornhaut eine gewisse positive sphärische Aberration erzeugt, welche im jugendlichen Auge durch die natürliche Linse ausgeglichen (übrigens durch negative sphärische Aberration) wird, wohingegen die alternde Linse das irgendwann nicht mehr kann oder sogar selbst eine positive sphärische Aberration erzeugt... Die asphärischen IOLs wollen also im besten Fall das jugendliche Sehen zum Teil wieder herstellen... Soweit also zur Theorie.
In manchen klinischen Studien konnte leider überhaupt kein subjektiv merkbarer Vorteil für den Patienten gefunden werden (van Gaalen, Kim W et al. “Clinical comparison of the optical performance of aspheric and spherical intraocular lenses.” Journal of cataract and refractive surgery vol. 36,1 (2010): 34-43. doi:10.1016/j.jcrs.2009.06.040), auch von besagter CT-Asphina IOL: Liu, Yuqi et al. “Comparison of the Visual Performance after Implantation of Three Aberration-correcting Aspherical Intraocular Lens.” Current eye research vol. 46,3 (2021): 333-340. doi:10.1080/02713683.2020.1798467 besonders großer Vorteil im Patienten nie wirklich gefunden werden im Vergleich zur Standard-IOL.
Lediglich bei sehr herabgesetzter Beleuchtung ließ sich ein Effekt von verbesserter Kontrastsehschärfe im Patienten zeigen: Ohtani, Shinichiro et al. “Intraindividual comparison of aspherical and spherical intraocular lenses of same material and platform.” Ophthalmology vol. 116,5 (2009): 896-901. doi:10.1016/j.ophtha.2008.11.022
Der Nachteil dieser Linsen im Vergleich zur sphärischen "Standard-IOL": Oft geht hierdurch die Tiefenschärfe verloren, da ja durch diese asphärischen Linsen einfach gesagt extrem auf den Fernpunkt fokussiert wird: Nanavaty, Mayank A et al. “Wavefront aberrations, depth of focus, and contrast sensitivity with aspheric and spherical intraocular lenses: fellow-eye study.” Journal of cataract and refractive surgery vol. 35,4 (2009): 663-71. doi:10.1016/j.jcrs.2008.12.011
Also ist vielleicht die Natur (Evolution) doch nicht so fehlgeleitet, dem alternden Auge etwas Tiefenschärfe zu spendieren, wenn die Alterssichtigkeit einsetzt und die Nahsehkraft allmählich verloren geht, da sich ja die natürliche Linse bei der Alterssichtigkeit immer weniger verformen kann... Also was erzeugen dann nun die asphärischen IOLs: Ein Auge, welches in der Dunkelheit etwas schärfer sieht dafür in Nähe etwas schlechter als das mit der sphärischen "Standard"-IOL versorgte Auge. Macht das die Asphärische IOL zur Premium-IOL? Vielleicht für eingefleischte BrillenträgerInnen, wer weiß...
Worauf aber in dem Bericht gar nicht eingegangen wird, sind die eigentlichen Kernpunkte und Vorteile der Sonderlinsen-Chirurgie in der Augenheilkunde und die Möglichkeiten die sich daraus für die Patienten ergeben, beispielsweise in punkto Brillenunabhängigkeit.
Hierdurch entsteht ein ziemlich eindeutiger Mehrwert für die Patientin/den Patienten würde ich sagen, die oder der hierdurch eine teilweise noch nie zuvor in ihrem/ seinem Leben dagewesene Unabhängigkeit von Sehhilfen erlangt und dadurch nach Patientenaussagen "ein völlig neues Leben" gewinnt.
Genau hier liegt nämlich aktuell der Fokus der refraktiven Kataraktchirurgie und hierauf sollte in einer seriösen Berichterstattung über Sonderlinsen zumindest ansatzweise eingegangen werden, finde ich. Und vielleicht auch ein refraktiver Kataraktchirurg zu Wort kommen- Was käme wohl bei einer Anfrage nach einem Statement hierzu von Panorama selbst heraus?
Warum also wurde kein refraktiver Augenchirurg und vielleicht auch dessen PatientInnen zu Wort kommen gelassen?
Vielleicht, weil man dann eventuell sogar glückliche PatientInnen angetroffen hätten (Schock schwere Not), die den Preis für eine solche teils lebensverändernde Chirurgie gerne nochmals vielleicht sogar doppelt gezahlt hätten, wenn man mal bedenkt, dass diese etwa im Preis einer guten Brille liegt (ja, die kosten auch oft über tausend Euro...), die man sich ja dann zukünftig weitgehend sparen kann.
Also, sogar noch Ersparnis, oder?
Oh nein, bloß nicht liebes Panorama-Team, das hätte ja am Ende noch dazu geführt, dass Augenärzte, die Sonderlinsen implantieren, vielleicht ja doch noch positiv dagestanden hätten? Wäre das gut für die Einschaltquote gewesen?
Abzocke: Na ja, lesen Sie zwischen den Zeilen.
Ich selbst jedenfalls bespreche mit meinen Patienten die wirklich spannenden Möglichkeiten, die wir momentan in der refraktiven Augenchirurgie haben, Stichwort: Sehen ohne Brille.
Hierbei geht es um optische Qualität durch Kataraktchirurgie auf Achse ("on axis cataract surgery") , Minimierung des postoperativen Astigmatismus bei der Implantation von Premium-IOLs und die Wahl des individuell geeigneten Kunstlinsenimplnatats, beispielsweise EDOF- oder Trifokalen- Sonderlinse.
Ja, und alle diese minutiös zu erklärenden und planenden Maßnahmen, die letztlich zu einem deutlichen Mehr an Lebensqualität führen, erfordern Zeit, High-Tech in Diagnostik und OP-Saal, und nicht zuletzt eine teure, langjährige Aus- und Weiterbildung (sehr lange ohne ganz privaten Verdienst übrigens) sowie besondere personelle Unterstützung. Und ja, diese Kosten müssen irgendwie erstattet werden.
Wenn nicht von der Krankenkasse dann vom Patienten selbst, völlig freiwillig, transparent und wohl aufgeklärt.
Liebes Panorama-Team, kommt doch mal bei mir vorbei, Ihr seid alle herzlich eingeladen!

